#9 ist online!

26. März 2010 von Julia Kriechbaum

liebe leute,

habt spaß beim lesen von ausgabe #9 des literatursin[n] - onlinemagazin für kultur!
wie immer mit vielen spannenden themen: Biowaste im portrait, ein schwerpunkt zu kunst_geschichte, twitter-protokolle, tschenda!!! & tschechern!!!, fotostrecken, rezensionen zu 2iSMO & SOAP SHUTTLE & als anregung zum rausgehen das (kultur-)horoskop.

& markus gruber, der wird geschossen haben. na bum!

wir bedanken uns herzlichst bei Martha Haider, Vlad Achimescu, Johannes Hucek, Lukas Janitsch, Elisabeth Rehse-Holzer, Michael Aniser & Isabel Walter für ihre beiträge!

informationen zu #10 gibt’s in kürze - wir freuen uns jetzt schon über vorschläge, input, rezensionsmaterial & interessante beiträge.

guten start in die osterferien & bis bald,
julia & michael

nachtrag zu danceroulette

22. März 2010 von admin

in der neuen ausgabe von literatursin[n] - onlinemagazin für kultur veröffentlichen wir exklusiv einen essay von michael aniser & isabel walter, der uns die theoretischen hintergründe von danceroulette näherbringen soll.

einstweilen sei noch auf den offiziellen danceroulette-trailer auf youtube verwiesen.

ausgabe #9 erscheint am 24. märz 2010.

literatursin[n] #9 release party

17. März 2010 von admin

wir feiern das erscheinen der ausgabe #9 von literatursin[n] - onlinemagazin für kultur: mit einem auftritt der band biowaste, mit literarischer lesung & harten & weichen getränken.

am 24. märz ab 20 uhr 30 im café concerto.

random acts of kindness?

13. März 2010 von admin

in der tanzfabrik in berlin wird nicht nur getanzt, sondern auch chatroulettet: den erstaunlichen umstand, dass nicht nur nackte schwänze, sondern auch kluge köpfe auf chatroulette sich tummeln, machen michael aniser, isabel walter & rose beermann sich dahingehend zu nutze, dass sie von diesen schwanz/muschi-kopf-maschinen, also ganzen menschen, ihre choreographischen sequenzen sich vorgeben lassen: time - movement - space - music, so heißen die von isabel walter & rose beermann definierten sequenzen, deren arrangement dem via chatroulette zugeschalteten stranger überlassen bleibt.

ein bisschen wie djing also, ein bisschen spielen mit menschenmaterial - & ein bisschen selber blöd in die webcam schauen - schließlich ist man, lässt man auf das spiel sich ein, immer selbst schon teil der multimedialen performance.

ein bisschen fun, ein bisschen art - fun art also, die mit den möglichkeiten von neuen web 2.0-angeboten experimentiert. ein bisschen bewusst trashige the-medium-is-the-message-performance. ein bisschen menschlichkeit auch, wie man vielleicht an dem verschmitzten grinsen des letzten, noch sehr jungen strangers in einem video von den proben sehen kann.

alles in allem: ein interessantes art-roulette-projekt, dem wir viel erfolg & viele nette random participants & random acts of kindness auf chatroulette wünschen.

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homepage: http://www.danceroulette.net/

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#9

24. Februar 2010 von Julia Kriechbaum

wir sind wieder da: literatursin[n] - onlinemagazin für kultur bereitet sich auf den relaunch vor, release party inklusive (details folgen). zu lesen gibt’s uns ab 24. märz 2010, redaktionsschluss für einsendungen aller art ist der 15. märz. interesse? literatursinn[at]gmail.com.

COVERGIRL - Wie Lynndie England dazu kam, das böse Amerika zu verkörpern

08. Mai 2009 von admin

Die Premiere von “Covergirl” am 6.Mai war auch für mich eine Premiere, in doppelter Hinsicht. Das erste Mal im KosmosTheater und das erste Mal ein “Ein-Frau-Stück”.

Maria Fliri spielt Lynndie England, die durch Fotos in einem irakischen Militärgefängnis “berühmt” wurde. “Mann. Nackt. Hundeleine. Frau. - Covergirl.” So beschreibt England das Foto, mit dem sie sich ins allgemeine Gedächtnis gebrannt hat. 2004 gingen die Fotos von Abu Ghraib um die Welt, auf denen gedemütigte und gequälte irakische Häftlinge und lachende amerikanische Soldaten zu sehen waren. Die damals 21-jährige Lynndie wurde das bekannteste Gesicht.  Die Fotos zeigten Lynndie mit einem Mann an der Hundeleine, Lynndie hinter einer Pyramide nackter Männer und Lynndie auf einen masturbierenden Gefangenen deutend. Lynndie wurde zu einer Haftstrafe von 3 Jahren verurteilt. Außer ihr wurden noch sechs weitere SoldatInnen verurteilt. Soweit zu den Fakten.

Das Stück versucht auf beeindruckende Weise zu erklären, warum England Opfer und Täter zugleich ist, blickt auf den Menschen hinter dem “Monster”. Es bewegt sich zwischen Dokumentation und Fiktion, zwischen Anklage und Rechtfertigung. Die Regisseurin Barbara Herold hat es geschafft, sich diesem sensiblen Thema auf einfühlsame, gleichzeitig aber auch humorvolle und ironische Weise zu nähern.

Bei “Covergirl” geht es unter anderem um folgende Fragen: Warum ist England in den Irak gegangen? Wie sind die Fotos entstanden? Was hat ihr damaliger Freund Charles Garner, Vater ihres Sohnes und zu 10 Jahren Haft verurteilt, damit zu tun? Wurde ihr befohlen, auf den Fotos zu posieren? Haben höhere Stellen von den Fotos gewusst? Wurden die Fotos geduldet? Haben sich Aufseher vor ihnen auch so verhalten? Hat man nur jemanden gesucht, dem man für alles die Schuld geben kann? Wie geht es Lynndie in der Haft? Wie gehen sie und ihre Familie mit ihrer plötzlichen “Popularität” um und was bedeutet “Doing-a-Lynndie”?

“Kennen Sie dieses Foto? Ja. Ich kanns nicht mehr hören, ich kenne das Foto, natürlich kenne ich das Foto, jeder kennt das Foto, jeder erkennt mich auf dem Foto, jeder sieht, wie ich den nackten Mann an der Leine halte. Ich bin ein Covergirl. Ein Covermonster. Als wäre ich das einzige Monster.”

Obwohl Fliri die einzige Darstellerin ist, ist das Stück, meiner Ansicht nach, vielfältig und kurzweilig. Sie erzählt ihre Geschichte und schlüpft dabei auch in andere Rollen (Eltern, Anwalt, Talkshow-Moderatorin,…). Die Bühnenausstattung ist sehr minimalistisch: eine Couch, eine riesige amerikanische Fahne und eine Leinwand, auf der im Hintergrund immer wieder Einspielungen gezeigt werden (z.B. Karikaturen und Berichte über den Vorfall im Gefängnis).

Fliris großartige schauspielerische Leistung wurde mit lang anhaltendem Applaus belohnt. Das Stück regt an über den “Folterskandal” und die Frau hinter dem “Covergirl” nachzudenken.

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*COVERGIRL* - Wie Lynndie England dazu kam, das böse Amerika zu verkörpern

© Herold

Gastspiel Herold/Fliri

Es spielt: Maria Fliri

Text und Regie: Barbara Herold

Kostüm: Ursula N. Müller

6.-16.Mai 2009, KosmosTheater Wien

Fotos: © Franz Nagel, Gabriele Müller-Klomfar

Mit einem Faible für Quietsch!

25. April 2009 von Julia Kriechbaum

Ein Abend des phonoFemme – Klangkunstfestivals im KosmosTheater mit Soundformen, die das inhärent Politische unseres gegenwärtigen Anspruchs an moderne Kunst links liegen lassen. Oder eben auch nicht.

 

Zuerst eine Art Definition, eine Begründung einer wörtlichen Abneigung: Klangwolke ist ein dankbarer Begriff für alles, was rauscht, quietscht, pfeift, Melodiefetzen birgt und im seltensten Fall ganze, nicht-dissonante Akkorde. Wer Klangwolke sagt, nimmt die sichere Variante, das konfuse, weitgreifende Wort (alles kann Klangwolke sein) wird zum Synonym für große Teile der modernen Musik und ist damit so aussagekräftig wie der Terminus moderne Musik selbst. Er ist zweifellos überstrapaziert und dabei auch guter Nährboden für gesellschaftskritische Feigheit (oder Opportunismus). Deswegen von meiner Seite in Zukunft keine Klangwolken mehr als Beschreibungsform, auch nicht bei den Werken, mit denen zurzeit das KosmosTheater beschallt wird. Denn dahinter verbirgt sich zum Beispiel kompositorisches Geschick (Olga Neuwirth) oder Filmmusik, die entsprechend ihrer ursprünglichen Art zu den Bildern improvisiert wird (Mia Zabelka).

 

Warum moderne Musik oftmals mit dem Vorwurf konfrontiert wird, dass das jede/r könne (so ein Gequietsche zu produzieren)? Vielleicht, weil das Handwerk dahinter so schwer erkennbar ist. Vielleicht, weil verkannt wird, dass es dabei, wie bei aller Musik, um ein seh- und hörgeleitetes Fühlen geht. Musik ist meines Erachtens immer noch die Kunstform, die das meiste Gefühlspotential enthält (und zugleich das undefinierteste).

 

Der Tanz

Paola Bianchi und Olga Neuwirth gehen in KÖRPER.KLANG.MASCHINE dem sich auflösenden, maschinenhaften Roboter Mensch nach. Digitale, gesampelte und transformierte Klänge aus dem Computer, dazu die Roboterfrau im Müllsackkleid (Paola Bianchi), die fast alle Bewegungen nach innen gekehrt und ängstlich ausführt, die solange eingesperrt und angepasst wurde, bis ihr das (Müllsack-)Kleid zu eng wird. Kurz vor Ende wird sie zur Katze, zum hernehmbaren Haustier. Stärke entwickelt sie in einer einzigen, männlichen Position. KÖRPER.KLANG.MASCHINE ist damit mehr als Soundfetzen aus dem Computer, zu denen sich eine Tänzerin roboterartig bewegt, um dem Titel gerecht zu werden. Es ist eine Geschichte, schön, traurig, am Ende bedrückend und verwirrend. Und nahe am Mensch, an der Gesellschaft.

 

Film und Musik

Eigentlich eine schöne, alte Konzeption, die man in Mia Zabelkas und Katharina Matiaseks Performance WOMEN OF THE RUINS beobachten kann. Eine filmische Collage zeigt Frauen als aktiven Teil des Kriegsgeschehens, als Helferinnen beim Wiederaufbau nach dem Krieg ebenso wie als Mittäterinnen und Terroristinnen. Was bei KÖRPER.KLANG.MASCHINE noch eine versteckte, für jede/n selbst freiwillig zu lesende politische Botschaft war, ist bei WOMEN OF THE RUINS unausweichlich. Das Kriegsgrauen, die Einsicht, dass Frauen in Sachen Gewalt(anwendung) den Männern um nichts nachstehen, wenn es dazu kommt – Mia Zabelka kommentiert das filmische Geschehen auf der E-Geige, mittels Computer und Verzerrung nehmen die Töne drastische Gestalten an, bekräftigen die Bilder dermaßen intensiv, dass nach der Aufführung nur mehr das Verlassen des Saals in Frage kommt. Raus, an die Luft, wieder weg von dieser unseligen, grauenhaften Leinwand und den Lautsprechern. Ich will damit nicht konfrontiert werden.

 

Und letztlich, die Revue

THE GUN IS STILL LOADED, verschiedene Mini-Zugänge zu Sounds und Geräuschen. Lieder, Tänze, Schauspiel, Zwiegespräche mit der Stimme auf dem Tonband: Erst ein Striptease, irgendwo zwischen harmloser Komik und Kopfschütteln, gleich darauf ein Pamphlet zu Freiheit und Paranoia und dazu noch der Monolog in Korrespondenz mit den Tonbandaufnahmen von und über Frauen in der RAF. Hier ist nichts mehr lustig, die Aussagen ergeben ein moralisches Wirrwarr, dass das Publikumshirn so beschäftigt, dass - Wo war hier der Sound? Bestenfalls als Begleitung zu finden, als Boden für die darauf befestigten Performances. Die Auflösung des moralischen Chaos enthält das letzte Lied: just remember, the death is not the end.

 

Ergo: Klangkunst bietet viele verschiedene Zugangsmöglichkeiten und Lesarten. Die Message, oder der Sinn, das Ziel einer Performance kann überall liegen. Quietschen ist dabei eher ein systemimmanentes Nebenprodukt.

 

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phonoFemme – Internationales Klangkunstfestival im KosmosTheater Wien mit 18 renommierten Künstlerinnen, sie sind Mitglieder der künstlerischen Plattformen Deep Listening Institut New York, Mani D.O.O. (Rovinj/Kroatien), enterprise z (Wien). Geleitet wird das Festival von Barbara Klein, Traude Kogoj und Mia Zabelka und ist noch bis 25. April 2009 jeweils ab 20 Uhr zu besuchen.

 

www.phonofemme.at lädt das interessierte Publikum nicht nur dazu ein, sich ausführlich über Festival und Künstlerinnen zu informieren, sondern auch aktiv an der Klangproduktion teilzunehmen: phonoFemme_art in progress bietet die Möglichkeit, selbst Audiofiles und –remixes hochzuladen und mitzugestalten. Der Webspace wird auch nach dem Festival als Kommunikationsplattform und für die aktive Nutzung zur Verfügung stehen.

Der ORF – Was fällt einem schon dazu ein?

04. April 2009 von Julia Kriechbaum

Ich sitze gerade über Harald Fidlers Artikel im Standard von heute Früh, Freitag, 3. April, Titel: ORF: Ohne Bundeshilfe droht dem Orchester die Auflösung. Sofortige Sparmaßnahmen, das will der Stiftungsrat von Generaldirektor A. Wrabetz. Bis 2010 soll der ORF ausgeglichen bilanzieren, das zugehörige Szenario 4 sieht (unter anderem) folgende Maßnahmen vor:

 

Rundfunkorchester auflösen

 

Was fällt mir dazu ein?

Erst einmal bin ich sprachlos. Mein ORF-Nutzungsverhalten ist, nun ja, spärlich. Kaum Radio (vorzugsweise FM4 oder Ö1, bei Bedarf an Nachrichten. Ö1-Mittagsjournal hören und währenddessen kochen habe ich zuhause schon mit meiner Familie zelebriert). Fernsehen: Vorzugsweise auch nur bei Bedarf, vor allem ZIB 2 oder ZIB 24. Kulturmontag. Donnerstags Willkommen Österreich. Wenn möglich, einen guten Film.

Das bewusste Einschalten hat einen einfachen Grund: Ich bin ein Kulturmensch, und das meiste, was auf ORF 1 und 2 läuft, interessiert mich nicht. Die hundertste Wiederholung von Simpsons-Folgen. Detto: Malcolm mittendrin, Scrubs, Mein cooler Onkel Charlie. Amerikanische Endlos-Krimiabende. Castingformate. Heimatschnulzen auf ORF 2.

Gut, das sind meine persönlichen Vorlieben und Reibepunkte. Es gibt ja auch andere Fernsehprogramme, auf die ich ausweichen kann (z.B. arte – tracks, jeden Freitag in etwa um Mitternacht). Dass die Gattung Kulturmensch vom offiziellen Sender des Kulturlandes Österreich mit schlafzeitenunfreundlichen Sendezeiten belohnt wird… Ha! Vielleicht verbirgt sich dahinter einfach die Annahme, dass Kulturmenschen ohnehin jeden Abend ab sechs, sieben Uhr, bis zehn, elf in der Oper, im Theater, im Konzert sind und gar keine Zeit haben, um diese Zeit fernzusehen. Warum auch?

 

Und trotz dieses spärlichen Nutzungsverhaltens ärgere ich mich maßlos über den ORF, über den Umgang mit dem ORF, über politisches Interessenspiel hinterm Schirm. Zum neuen ORF-Gesetz gab es am Dienstag eine Sondersitzung im Nationalrat. Am Donnerstag trat Generaldirektor Alexander Wrabetz mit einem Strategie- und Strukturkonzept vor den ORF-Stiftungsrat. Die ORF-eigene Berichterstattung am 2. April fällt im Falle der internen Sitzung beklemmend ausredend aus. Ein Herumreden um den heißen Brei in der Zeit im Bild um 19.30, es ist lediglich von Nulllohnrunden und Einsparungen beim Programm die Rede. Der Beitrag schließt mit dem zukunftsweisenden Satz: Das positive Resümee des heutigen Tages lautet: Man habe Handlungswege aufgezeigt. In der ZIB 2 um 22.00 Uhr ist Generaldirektor Wrabetz zu Gast, Moderatorin Marie-Claire Zimmermann fragt immerhin noch einmal nach, wenn es um Einsparungsmaßnahmen geht, widmet eine eigene Frage dem Bestand des RSO Wien. Die Antwort handelt von gesetzlichen Aufträgen, der Kulturleistung, die das RSO verkörpere, von wirtschaftlichen Schwierigkeiten und davon, dass das RSO aktuell nicht gefährdet sei. Wrabetz tänzelt geschickt um alle Fragen herum.

 

Das RSO: Im Szenario 4 ist davon die Rede, das Orchester aufzulösen (wobei hier noch einige andere Punkte aufgelistet sind. Welche Maßnahmen dann tatsächlich für eine ausgeglichene Bilanz notwendig sind, wird sich noch zeigen). Vorige Woche hieß es noch Ausgliederung, dabei war nicht einmal annähernd geklärt, wie die weitere Finanzierung erfolgen sollte. Selbst wenn es zur angekündigten Teilrefundierung der Rundfunkgebühren (Bundeskanzler Faymann) kommen sollte, was die finanzielle Lage des ORF entschärfen würde und somit auch weniger Gefahr für den Bestand des RSO bedeute:

 

Warum wird überhaupt darüber nachgedacht, das Rundfunkorchester auszugliedern, aufzulösen, finanziell zu schwächen?

 

Der ORF hat einen Programmauftrag, dazu gehört ein entsprechender Beitrag im Kulturbereich, dazu gehört die Garantie von Vielfalt im Programm. Dazu gehört auch, ein Rundfunkorchester zu haben, dass sich intensiv(er) mit zeitgenössischer Musik auseinandersetzt. Dass die meisten Kultureinrichtungen finanzielle Schützenhilfe brauchen, ist nicht zu leugnen. Dass Kulturprogramme gegenüber Sport und Serienunterhaltung im publikumsbedingten Nachteil sind, ebenso wenig. Und selbst wenn die Finanzkrise als Auslöser, Mithelfer, gut-passendes Argumentationsmuster für die ohnehin vorhandenen finanziellen Schwierigkeiten des ORF herhalten muss – im Bankwesen, in der Industrie werden zurzeit (staatliche) Unsummen aufgewendet, um das System vor dem Schlimmsten zu bewahren. Warum nicht für Kultur? Warum nicht für einen öffentlich-rechtlichen Rundfunk, damit er seinem Programmauftrag gerecht werden kann und zusätzlich noch vollkommen unabhängige Berichterstattung anbieten könnte?

 

Es ist mir ein Rätsel…

“Rettet das RSO”

03. April 2009 von Julia Kriechbaum

Protestaufruf gegen die geplanten Sparmaßnahmen des ORF im Bezug auf das Radio-Symphonieorchester Wien. Im folgenden wird der Originaltext der Beschreibung der Gruppe Rettet das RSO auf Facebook gezeigt. Wer der Gruppe beitreten will, verfolge bitte diesen Link: http://www.facebook.com/home.php#/group.php?gid=77901152200&ref=mf

 

„Das RSO Wien gehört zu den wichtigsten Klangkörper dieses Landes und ist das einzige Rundfunkorchester in Österreich. Wir dürfen einfach nicht zulassen, dass Politiker einen Teil unserer Kultur zerstören. Also treten wir dagegen auf, sammeln Mitglieder und zeigen, dass es uns nicht egal ist was in unserer Musiklandschaft passiert.

 

Am Montag (Anm. 30.03.09) berät der Finanzausschuss des Stiftungsrats, des obersten ORF-Aufsichtsgremiums, über die Ausgliederungen von Facility Management, Radio-Symphonieorchester (RSO) und Ausstattung. Er gibt eine Empfehlung für die Abstimmung über die Ausgliederung ab, die am Donnerstag im Plenum des Stiftungsrates stattfindet.

 

Um eine erste Aktion zu starten, würde ich euch bitten so viele individuell formulierte Protest-E-Mails wie möglich zu schreiben, die an kundendienst@orf.at gehen - mit der Bitte um eine Weiterleitung an Stiftungsrat und Geschäftsführung. Und zusätzlich als CC, (damit die Mails vom Kundendienst auch ernst genommen werden), an rso-wien@orf.at und publikumsrat@orf.at. Eventuell könnte man auch noch Zeitungen wie kultur@kronenzeitung.at, leserbriefe@diepresse.com, chefredaktion@derStandard.at oder den Kurier mit ins CC hineinnehmen.

 

Da die Zeit drängt wäre es toll, dies sobald als möglich zu machen. Je reger die Beteiligung, desto schärfer die Bombe…

 

Bitte ladet all eure Kontakte ein, dieser Gruppe beizutreten. Vielen Dank für eure Hilfe!!“

„Flieger, grüß mir die sonne…“

03. April 2009 von Julia Kriechbaum

Wasserkopf, Hasenscharte, abstehende Ohren: Es soll Menschen geben, denen die Natur so absolut gar nichts schenkt. Außer vielleicht ein bisschen Talent zur Verstellung, zur Erfindung einer zweiten Identität, die mittels falschem Schnurrbart, Perücke, aufblasbaren Waden (gegen die O-Beine) und maßgeschneiderten Anzügen (gegen den Spitzbauch! gegen die schiefen Schultern!) über eine armselige Figur gestülpt wird und aus ihr einen verwegenen Flieger, einen Sportpiloten macht. Und der hat neben der Fliegerei noch genug Zeit, poetisch zu werden, sich den schönen Künsten zuzuwenden; Rauchkringel kann er auch noch blasen, Zeit zum Üben hatte er, der nie als Pilot in einem Flugzeug gesessen…

H.C. Artmanns Erzählung Flieger, grüß mir die sonne… hatte gestern als Konzertversion very plugged im Theater an der Gumpendorferstraße Premiere: H.C. Artmann goes concert – mit einer Schauspielerin und drei Musikern. Johanna Orsini-Rosenberg schlüpft in Rolle und Identität des Fliegers, tritt mit der Hauptfigur in Dialog und wird dabei ständig von den drei Jazzmusikern unterbrochen. Paul Skrepek, Vincenz Wizlsperger, Martin Zrost spielen mit, schauspielerisch und musikalisch, widersprechen dem Flieger, achten darauf, dass die schändlichen Details nicht allzu sehr ins Abseits geraten, kosten jeden Moment auch musikalisch aus.

Und so begleiten wir den Flieger in ein französisches Seebad, schauen ihm zu, wie er sich in Schale wirft, folgen ihm in die Bar, wo er sich der schönen Agneta annähert und schließlich mit ihr am Meer entlang spaziert. Bis irgendwo im Hafen ein Schiff in Flammen aufgeht, die Chance für ihn, doch noch zum Helden zu werden. Nicht allzu viel Handlung für 70 Minuten Aufführungsdauer, die Betonung liegt hier auf den Details. Die Demontage einer falschen Identität wird bis aufs Äußerste zelebriert, der Großteil des Stückes besteht darin, den Verfall einer mit männlichen Mythen und Selbstbildern gespickten Figur darzustellen. Immer spürbar: Die Verzweiflung, die Sehnsucht, mit der dieser Mensch so gerne cool wäre, vorne mit dabei.

Aufführungstechnisch ist es ein Glanzstück (Regie: Elisabeth Gabriel), die Schauspielerin ist wunderbar eingebettet in die Musik, H.C. Artmanns sprachliche Gestaltungskraft erfährt durch die Kompositionen von Paul Skrepek, Vincenz Wizlsperger und Martin Zrost zusätzliche Bedeutung. Durch den dialogischen Aufbau des Stücks bleibt der Großteil der Szenen dem inneren Auge der einzelnen Zuschauer/innen überlassen: Was auf der Bühne passiert, ist lediglich das Stichwort für eine großartige Reise zwischen Sein und Schein.

 

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H.C. Artmanns Flieger, grüß mir die sonne... ist Teil seines Erzählzyklus How much, schatzi?. Heute und morgen, 3. und 4. April 2009, finden um 20 Uhr weitere Aufführungen im TAG – Theater an der Gumpendorferstraße statt.

Fotos: Flieger: © Ruth Ehrmann; gesamtes Ensemble: © Alina Kunitsyna